Stoffwechselgift Ammoniak

Ammoniak als potentes Stoffwechselgift

Die Entsäuerungsleistung der Leber hängt zudem stark von der Belastung durch Stoffwechselgifte ab: Neben Alkohol und Medikamenten wird die Leber hauptsächlich mit der Entgiftung von Ammoniak, das im Darm beim Abbau von Eiweißen entsteht, belastet. Ammoniak unterbricht nämlich diesen Citratzyklus, weil es einen wichtigen Reaktionsbaustein (alpha-Ketogluarat) entfernt, also quasi die Kreissäge ihrer Zähne beraubt und damit die gesamte Energiegewinnung der Zellen ausbremst.

Ammoniak ist ein aggressives, stechend riechendes Reizgas, das die meisten gut aus der Landwirtschaft kennen. Wenn wir an einem Feld vorbeigehen, wo Gülle zum Düngen versprüht wird, halten wir unwillkürlich die Luft an. Ähnlich geht es unseren Zellen: Ammoniak verschlägt sprichwörtlich der Zelle den Atem, indem es die Zellatmung blockiert. In den Energiekraftwerken der Zelle (Mitochondrien), in denen aus Traubenzucker unter Sauerstoffverbrauch Stoffwechselenergie gewonnen wird, findet auch die Entgiftung von Ammoniak statt. Das „Güllegas“ vergiftet uns quasi von innen, blockiert den Energiestoffwechsel und kann Nerven, Organe und Muskeln schädigen.

Im gesamten Blutkreislauf können max. 5 mg Ammoniak zirkulieren – eine sehr geringe Menge, eben weil dieses Gas so giftig ist, das jeden Tag im Darm entsteht. Die Leber muß täglich ca. 5000 mg Ammoniak entgiften, damit die zwingend niedrigen Blutwerte erhalten bleiben. Ein Leberausfallskoma, das Endstadium der Leberzirrhose, führt zu Blutwerten von 88-240 µmol/l bzw. 150-400 µg/dl und ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Dies sind nur 9-24 mg (!), also 0,18% bis 0,5% der täglich anfallenden Ammoniakmenge aus dem Darm. Hierzu zwei Vergleiche: 500 ml Sekt (75 ml Ethanol) führen nach 1 Stunde zum höchsten Blutalkoholspiegel von 1,1 ‰, was 6,6 ml bzw. 5,2 g Alkohol (Ethanol) im gesamten Blutkreislauf entspricht, also die 1000-fache Menge des normalerweise maximal im Blut vorhandenen Ammoniaks. Der adaptierte, schlecht eingestellte Diabetiker ist auch noch mit Blutzuckerwerten von 300 bis 400 mg/dl, dem 1000-fachen Wert des Ammoniakspiegels beim Leberausfallskoma, zwar nicht gesund, aber noch überlebensfähig. Ohne Frage ist eine Ernährung mit hohen Blutzuckerspitzen ungesund. Zweifelsohne schädigt Alkohol die Leber und das Gehirn und ist ein potentes Kanzerogen, doch eine zu eiweißreiche Ernährung stellt den Stoffwechsel vor noch größere Herausforderungen.

Für den Stoffwechsel gibt es prinzipiell zwei Wege, Ammoniak zu entsorgen: Zum einen in der Leber über den Harnstoffzyklus, was normalerweise den Hauptanteil der Ammoniakentgiftung ausmacht, und zum anderen über die Nieren. Solange die Leber noch funktioniert, kann man indirekt auf eine hohe Ammoniakbelastung schließen, indem man den Harnstoff im Blut mißt.

Bei beiden Prozessen werden große Mengen an Stoffwechselenergie verbraucht. Dies ist vermutlich der Grund warum, proteinreiche Diäten wie die Atkins-Diät anfänglich zu einer raschen Gewichtsabnahme führen – ein Erfolg, der mittel- und langfristig durch Nierensteine, Gelenkbeschwerden, Energiemangel, einem gestörten Energie- und Säure-Basenhaushalt sowie spätere Stoffwechselstörungen und Gewichtszunahme teuer erkauft wird!

Die Entgiftung in der Leber zu Harnstoff verbraucht zudem Bicarbonat und ist damit abhängig von den basischen Pufferreserven. Deshalb wird bei Übersäuerung dieser Prozess zulasten des Nieren-Weges heruntergefahren. Die Niere kann eine dauerhafte „Ammoniak-Begasung“ ziemlich übel nehmen – und zwar mit Entzündungen, Funktionsverlust und einem erhöhten Nierenkrebsrisiko, das zahlreichen Studien zufolge positiv mit dem Fleischkonsum korreliert. Die Kombination aus Übersäuerung und hohem Fleischkonsum ist wohl mitverantwortlich, dass die Nierenfunktion im Alter durchschnittlich um die Hälfte zurück geht. Auch im Tierreich lässt sich ähnliches beobachten: So zählt Nierenversagen zu den häufigsten Todesursachen bei Katzen, die sich (fast) ausschließlich von Fleisch ernähren.

Die Ammoniakentgiftung hat Vorfahrt vor anderen Stoffwechselprozessen wie der Regulation des Energie- und Säure-Basen-Haushalts. Sehr lange kann die Leber auf Kosten der anderen Stoffwechselwege die Ammoniakentgiftung aufrecht erhalten. Im Extremfall der Leberzirrhose spüren die Betroffenen als erstes extreme Müdigkeit und Niedergeschlagenheit. Schulmedizinisch geht man dagegen mit einer Reduktion der Proteinzufuhr, Beschränkung auf pflanzliches Eiweiß und Milcheiweiß, Laxantien und notfalls mit der kompletten antibiotischen Abtötung der Darmflora vor, um die Ammoniakproduktion einzudämmen. Denn das Ausmaß der Ammoniakbelastung hängt maßgeblich vom (heute meist kranken) Darmmilieu und Proteinkonsum ab.