Säure-Basen

Sauer und basisch?

Die Empfindung „sauer“ kennt jeder, der schon einmal in eine Zitrone gebissen hat. Für das Basische gibt es allerdings kein Geschmacksäquivalent. In der Wissenschaft werden saure und basische (Synonym: alkalisch) Eigenschaften einer Lösung mit dem pH-Wert (potentia hydrogenii) bestimmt. Dieser errechnet sich aus der Menge an Säure-Ionen (H3O+) im Wasser und wird in einer logarithmischen Skala angegeben, die von 0-14 reicht. Je kleiner der pH-Wert, desto saurer ist eine Lösung. Ein pH-Wert von 7 ist neutral. Weil die Skala logarithmisch ist, bedeutet eine z.B. pH-Wert-Absenkung von 7 auf 5, dass der Säuregehalt um das 100-fache zunimmt.

In den verschiedenen Organen, Geweben und Körperflüssigkeiten herrschen unterschiedliche pH-Werte. Im Blut liegt der pH-Wert im basischen zwischen 7,35 und 7,45. Der Blut-pH-Wert muss in engen Grenzen konstant gehalten werden, damit der Körper optimal funktioniert. Dafür gibt es im Blut so genannte Puffersubstanzen, die kleine Abweichungen ausgleichen. Sind die Blutpuffersubstanzen erschöpft, holt sich der Körper notfalls basische Mineralien aus den Knochen.

Der sauerste Bereich im Körper ist der Magen mit einem pH-Wert von 1,3-3,0. Hier ist das stark saure Milieu wichtig, um Krankheitserreger abzutöten und Eiweiße aufzuschließen. Der Verdauungssaft der Bauchspeicheldrüse dagegen ist stark alkalisch (pH-Wert zwischen 8 und 9) und neutralisiert den sauren Mageninhalt. Der Dünndarm ist mit einem pH-Wert zwischen 5 und 6 leicht sauer, damit die Enzyme für die Eiweiß- und Kohlenhydratverdauung optimal arbeiten können. Im gesunden Dickdarm sollte ebenfalls ein leicht saures Milieu (pH 6-6,5) herrschen, das für die Darmflora von großer Bedeutung ist.

Säuren und Basen im Fluss

In unserem Stoffwechsel stehen die Säuren und Basen in einem ständigen Fließgleichgewicht. Mit jedem Ausatmen entledigen wir uns über das Kohlendioxid von Säure. Durch unseren biologischen Tagesrhythmus (zirkadiane Rhythmik) und durch die Mahlzeiten entstehen im Körper „Basenfluten“ und „Basenebben“, die man sich wie die Gezeiten am Meer vorstellen kann: Nachts herrscht „Basenebbe“ und der Körper scheidet Säuren aus. Deshalb ist der Urin morgens meist sauer. Nach jeder Hauptmahlzeit wird der Organismus von einer Basenflut überschwemmt, die normalerweise bis in das Bindegewebe dringt und dort eine Reinigung von Säuren bewirkt. Auch körperliche Betätigung hält den Säure-Basen-Haushalt im Fluss, solange sie nicht übertrieben wird. Fallen im Organismus mehr Säuren an als über Leber, Lunge, Nieren und Haut ausgeschieden werden können, lagern sich diese im Bindegewebe ab und verschlacken dieses. Bei anhaltender Säurebelastung erschöpfen sich schließlich die Pufferreserven. Für das Basenfluten stehen zu wenige basische Substanzen zur Verfügung – der Säure-Basen-Haushalt erstarrt. Doch wie kann es zu einer dauerhaften Übersäuerung kommen?